Apocalypse Here & Now

Die Stadt hauchte ihre kalte Seele aus.

Dunstschwaden ringelten sich über Dächern, Türmchen und dem Fluss empor. Von oben griffen die Hände des Zwielichts nach dem Nebel und formten aus ihm purpurrauchfarbene Spiralen, die ins Nichts entkreisten. So eisig war es, dass alle Klänge metallisch nachklirrten und der Wind, der durch die Straßenschluchten seufzte, bizarr gestikulierende Zombies aus den Baumskeletten fräste.

Im Wasser schaukelten die Schollen und rieben ihre scharfen Kanten aneinander. Auf einem Brückengeländer hockte eine kindliche Gestalt, balancierte ein Fieberthermometer zwischen ihren Fingern und zwinkerte von Zeit zu Zeit herüber. „Komm mit“, schien sie zu flüstern.

Das Kind trug eine Krone aus Zeitungspapier, welches dem Wind trotzte, und hatte sich gegen den Frost in einen Bademantel gewickelt, der knapp über den Zehen endete. Schief und geheimnisvoll schob sich ein Grinsen durch die Perlenkette der Milchzähne. Dann steckte das Kind, das ein Mädchen war, sein Spielzeug weg, hopste vom Gitter und lachte frech. „Du traust dich ja doch nicht“, feixte es in die knusprige Nachtluft.

Ein Fuß preschte vor, die Kleine tänzelte einige Schritte über den Asphalt, verbeugte sich anmutig und bot ihren Arm zum Einhaken dar. Kein Mensch, nirgends. Sollte ich?

Ich kniff die Augen zusammen und schaute noch einmal zu ihr. Die Figur saß tiefgefroren wie ihre Umgebung auf dem Geländer und stierte durch mich hindurch in die Dunkelheit.

Über das Treibeis rasselte das fahle Echo eines Hustens.

Kommentare

  1. Bizarr und fast an einen Zombiegruselfilm erinnernd.
    Hoffentlich bleibt es nur bei dee Vorstellung eines gruseligen Szenarios.
    Das Leben ist momentan eh beängstigend gruselig real…
    Erfreuen wir uns an unseren gesunden Kindern…
    Sie bleiben unsere ganze Hoffnung…

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