Die Büttenmanufaktur

„Die Kenner, wenn sie etwa eine Zeichnung sehen, gehen von Dürer oder Rembrandt oder von Picasso aus; der Schaffende, gleichviel wo er selber wirkt, weiß um das leere Papier.“
– Max Frisch

Was wären die von mir geschriebenen, gedruckten oder gesprochenen Worte ohne das Papier, auf dem sie stehen? Ich erinnere mich, wie ich als Kind stundenlang ungarische Schreibwarenläden heimsuchte und von all den bunten, exotischen Schul- und Notizheften nie genug bekommen konnte: das Objekt der Begierde befühlen und beschnuppern, erstmalig einen Stift ansetzen… Bis heute fasziniert Papier mich, es lebt, ist geduldig und trotzdem so vergänglich.

Irgendwann reifte in mir die Idee, mein eigenes Papier herzustellen, wie einst im Werkunterricht der Grundschule. Ich las mich in die Materie ein, baute einen provisorischen Schöpfrahmen und legte los. Es gab nichts Schöneres an jenem Sommertag unter der Sonne Altmühlfrankens, als bis zu den Ellenbogen in die kühlen Fluten einer Wasserwanne einzutauchen und zwischen Pulpe und patschnassen Seiten herumzuplantschen.

Inzwischen kreiere ich regelmäßig Papierserien mit unterschiedlichen Formaten, Pastelltönen und Strukturen. Auf zwei Dinge achte ich bei der Fertigung jedoch besonders: Nachhaltigkeit und Natürlichkeit. Zum einen existiert bereits genug Papier auf der Welt – und die Erde hält nicht endlos Rohstoffe bereit –, weshalb ich als Ausgangsmaterial nur Altpapier verwende. Ob Zeitschriften, Geschenkverpackungen, Kalenderblätter oder Fehldrucke, ob Eierkartons, Bastelreste oder Dokumente jenseits der steuerlichen Aufbewahrungspflicht: All dies muss nicht zwingend in die Papiertonne wandern, sondern freut sich über ein direktes Recycling im Auftrag der Kunst.

Zum anderen verzichte ich bei meinem Büttenpapier komplett auf Bleichmittel, Füllstoffe und andere künstliche Zusätze. Dadurch reagiert dieses etwas grobe, naturbelassene Produkt zwar stärker auf Witterungseinflüsse, ist aber quasi „bio“. Auch den zum Papierschöpfen gehörenden Wasserverbrauch drossle ich, indem ich vorher Brauchwasser sammle oder das Schöpfwasser weiterverwerte. Von den fertigen und einmaligen Kleinstauflagen zwacke ich einen Teil für meine Druckwerkstatt ab. Die restlichen Bögen verkaufe ich blanko und je nach Abnahmemenge zu attraktiven Staffelpreisen.

Editionen

[in Kürze]