the doors (of perception)

Und dann wird die Tür mit rasender Wut zugeworfen. Sie kracht so laut ins Schloss, dass die Weingläser in der Vitrine klirrend aufschluchzen. Die Finger brennen von dem Schlag aufs Holz, das Holz glotzt ungerührt zurück. Die Tür ist zu, aber sie wurde nicht abgesperrt. Jederzeit ließe sie sich wieder öffnen. Von draußen sieht man ihr das allerdings nicht unbedingt […]

Apocalypse Here & Now

Die Stadt hauchte ihre kalte Seele aus. Dunstschwaden ringelten sich über Dächern, Türmchen und dem Fluss empor. Von oben griffen die Hände des Zwielichts nach dem Nebel und formten aus ihm purpurrauchfarbene Spiralen, die ins Nichts entkreisten. So eisig war es, dass alle Klänge metallisch nachklirrten und der Wind, der durch die Straßenschluchten seufzte, bizarr gestikulierende Zombies aus den Baumskeletten […]

2020

„We shall not cease from explorationAnd the end of all our exploringWill be to arrive where we startedAnd know the place for the first time.“– T. S. Eliot: Little Gidding KH 02.01.20

Metamorphosen des Todes in Mexiko

„Was ist der Mensch anderes als eine kleine Seele, die eine Leiche aufrecht hält?“– Malcolm Lowry: Unter dem Vulkan Pünktlich zum heutigen Día de Muertos, dem Tag der Toten, beginnen sich Millionen Monarchfalter aus den USA und Kanada in Mexiko einzufinden, wo sie überwintern werden. Mariposas – Schmetterlinge – gelten als Botschafter aus dem Jenseits und stehen traditionell für Wandlung, […]

Wir haben alles. Außer Mut.

Ach, was ist es ganz schön hier in der mittelfränkischen Provinz. Unzählige Male im Jahr dürfen wir uns am Lieblingsspielzeug und -heiligtum der Deutschen erfreuen: dem Auto. Dicht an dicht gepackte Oldtimerschauen und Rallyefahrten, Klassikertage und Benzingespräche, Motorzubehörmessen und Amischlittenausstellungen sprengen den Kalender und treiben den Drehzahlmesser fürs Freizeitstress-Herzinfarktrisiko ordentlich in die Höhe. Jüngst waren es denn auch wieder einmal […]

Gedanken an Hermann Hesses Todestag

„Recht hast du, Steppenwolf, tausendmal recht, und doch mußt du untergehen. Du bist für diese einfache, bequeme, mit so wenigem zufriedene Welt von heute viel zu anspruchsvoll und hungrig, sie speit dich aus, du hast für sie eine Dimension zuviel. Wer heute leben und seines Lebens froh werden will, der darf kein Mensch sein wie du und ich. Wer statt […]

Eintagsfliegenfandango

Guck sie dir an, all die Nachtfalter, die unrettbar das Scheinwerferbunt umflattern. Die sich, die Augen versiegelt, im Sog des Basses wiegen und bierberauscht von Tanzfigur zu Tanzfigur taumeln. Ein Schmetterling ist auch nur eine Motte im Ballkleid, sagtest du einmal, und wenn es für ihn wie für Cinderella Zeit wird zu gehen, zerfällt seine Hülle genauso zu Asche. Schmet-ter-ling. […]

Sommer, unbesiegbar

Von der eigentlichen Grenzlinie merkt man, Schengen sei Dank, nichts mehr. Optisch jedoch, optisch entfaltet sich bei der Überfahrt von der einen Hälfte Kakaniens (Schmäh) in die andere (Gulaschkommunismus) noch immer eine vollkommen neue Welt. Ganz woanders sind wir hier, wir haben die Dekadenz des Westens verlassen und sind hinter den Eisernen Vorhang geschlüpft, der zwar längst im Altkleidercontainer der […]

Adieu

Nimm dein Buch aus dem Regal Die Dinge die wir nie taten Das Lächeln das gequält an meinen Wimpern klebt Nimm die berauschenden Kelche vor uns Und die Hände von meinem Bauch Nimm die Nächte auf goldenen Thronen Zeitlos und nah Nimm den grauen Regensonntag Und deine müden Augen Und die Mascaraschatten unter meinen Und das gestohlene Glück Nimm den […]

Das Lied vom traurigen Sonntag

„Außerdem musste man den Selbstmord als Volkssport hochhalten, als das ungarische Laster schlechthin. […] Jahrhundertelang hatten sich Ungarn aller Güteklassen, die es nicht in ungarische Armeen geschafft hatten, die dann ausradiert wurden, das Gehirn weggepustet oder ihren Seelen mit anderen Methoden den Käfig geöffnet. Nur ein paar Minuten der Muße, nur ein paar Takte melancholische Musik, und schon zog sich […]

Warum das Meer mehr Freunde braucht

Die Spezies Mensch betrat 1969 den Mond. Insgesamt zwölf Personen – alles männliche US-Amerikaner – haben dort in den letzten 50 Jahren ihre Fußabdrücke hinterlassen. Zum Vergleich: Nur drei Männer – einer aus der Schweiz, einer aus den USA und einer aus Kanada – erreichten bislang im Marianengraben den tiefsten Punkt der Ozeane. Die Anekdote der „Eroberung“ von Mond und […]

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