Drucksachen auf Gutenbergs Spuren

„Mehr als das Gold hat das Blei die Welt verändert und mehr als das Blei in der Flinte das Blei im Setzkasten.“
– Georg Christoph Lichtenberg

Im Sommer 2019 stand ich – beim wunderschönen Weitblick Open Air des Regens-Wagner-Zentrums in Absberg – zum ersten Mal an einer Abziehpresse und druckte ein Festivalplakat. Von Hand hatte ich große, spiegelverkehrte Holzlettern und Klischees (später verschob sich die Bedeutung dieses Wortes) in ein sogenanntes Schiff gesetzt, mit Magnetkraft befestigt und mit verschiedenen Farben eingewalzt. Zu meiner Überraschung knallten Text und Bilder danach auf dem Papier mehr rein, als jeder schnöde Digitaldruck es je vermocht hätte. So begann auf der Streuobstwiese des Absberger Schlosses und beim weiten Blick über den Brombachsee meine Druckpassion.

Es hat etwas Meditatives, ein Kunstwerk mit einer historischen, im wahrsten Sinn mittelalterlichen Technik zu gestalten und dabei auf alle Herstellungsetappen und Materialien Einfluss nehmen zu können. Ob mit Bleitypen, den leichteren Plakatbuchstaben oder Linolplatten erzeugt, ob schrift- oder motivlastig: Das fertige Produkt ist ein hunderprozentig „analoges“ Unikat und genauso „vintage“ wie das Tippen auf der Schreibmaschine oder das Abspielen von Schallplatten und Magnetbändern.

Glücklicherweise darf ich die Begeisterung jenes Benefizkonzerttages inzwischen beruflich ausleben. 2020 habe ich eine Abziehpresse der Marke Triumpf erworben, sie auf den Namen „Typy Hedren“ getauft und den Keller meiner Schmalespan Studios zur Buchdruckwerkstatt umfunktioniert. Hier erstelle ich typografische Poster und Plakate bis zum Format DIN A2 sowie Akzidenzen (das heißt Grußkarten, Einladungen, Flugblätter, Lesezeichen und dergleichen mehr). Alles in kostbaren Kleinauflagen, oft mit eigenen Texten und teils auf selbstgeschöpftem Papier.

Das Experimentieren mit der Schwarzen und der Weißen Kunst, das kreative Schaffen in der noch lange nicht ausgelöschten Gutenberg-Galaxis lässt mein Herz freudig höherschlagen. Ich hoffe, dass ein Funke dieser Freude auf die Betrachter und Neubesitzer meiner Drucksachen überspringt. Gelungenes Design vereint in sich Hirn, Handarbeit und Herzblut und hat damit einen ideellen Wert, der die Menschen berührt. Dies ist mein Ziel.

In meinem Journal gibt es eine Rubrik, in der ich in loser Folge aus dem Letterpress-Untergrund berichte – etwa über Spezialaufträge, Fachausdrücke oder Erwerbungen. Wer sich das alles lieber live ansieht, kann das Kellerstudio, „Typy Hedren“ und mich nach Absprache besuchen.