Gedanken an Hermann Hesses Todestag

Recht hast du, Steppenwolf, tausendmal recht, und doch mußt du untergehen. Du bist für diese einfache, bequeme, mit so wenigem zufriedene Welt von heute viel zu anspruchsvoll und hungrig, sie speit dich aus, du hast für sie eine Dimension zuviel. Wer heute leben und seines Lebens froh werden will, der darf kein Mensch sein wie du und ich. Wer statt Gedudel Musik, statt Vergnügen Freude, statt Geld Seele, statt Betrieb echte Arbeit, statt Spielerei echte Leidenschaft verlangt, für den ist diese hübsche Welt hier keine Heimat… […] Ach Harry, wir müssen durch so viel Dreck und Unsinn tappen, um nach Hause zu kommen! Und wir haben niemand, der uns führt, unser einziger Führer ist das Heimweh.

– Hermann Hesse: Der Steppenwolf

Heute vor 57 Jahren, vier Tage nach Marilyn Monroe, starb in Montagnola Hermann Hesse. In seiner Prosadichtung Der Steppenwolf (1927) äußert die scharfsinnige Hermine Gedanken, die für mich auch im Jahr 2019 nichts von ihrer Aktualität verloren haben.

Als damals im Studium der Punkt gekommen war, meine Magisterarbeit zu schreiben, wollte ich bestimmte Aspekte in Hesses Werk erforschen. Leider kam das für den ins Auge gefassten Betreuer nicht infrage: Hesse war für ihn kein ernstzunehmender Literat und überhaupt die Wurzel allen Übels, wenn es um die Umstrukturierung der Hochschulen in den 1960ern und 1970ern ging.

Dieser potenzielle Betreuer, der offenbar den Muff unter den Talaren vermisste, war wohlgemerkt nur zehn Jahre älter als ich; ich wechselte schließlich zu einem weniger spießigen, „alten“ Kollegen und landete auf Umwegen – wie das Leben so spielt – bei Thomas Mann und Eduard von Keyserling als Magisterthema.

Das „Julikind“ Hermann Hesse hat mich dennoch nie losgelassen. Und statt mich wissenschaftlich mit ihm auseinanderzusetzen, rückte ich ihm halt mit Kreativwerkzeug (Papier, Bleistift, Scanner, Bildbearbeitungsprogramm) zu Leibe. Immerhin war er selbst zu gleichen Teilen Autor und Maler. Genau wie ein weiteres Idol von mir, William Blake, dessen Tod sich in drei Tagen zum 192. Mal jährt (der von Thomas Mann zum 64. Mal).

Aber das ist schon wieder eine andere Geschichte…

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