„I, I will be king“

Der König ist die wichtigste Figur beim Schachspiel – wird er matt gesetzt, ist die Partie sofort beendet. Vermutlich in Indien oder China erfunden, kann man „das königliche Spiel“ als Kind des Orients bezeichnen, denn dieser meinte einst die gesamte asiatische Welt. Über Persien (wo der „Schah“, das heißt der „König“, zum Namensgeber wurde) und Arabien gelangte das Schach nach Europa.

Hinter der Nummer 61 – zufälligerweise lesbar als heutiges Datum – verbergen sich in „A History of the World in 100 Objects“, einem Gemeinschaftsprojekt der BBC und des British Museum, die mittelalterlichen Lewis-Schachfiguren. Zu den von Wikingern nach Schottland gebrachten Spielsteinen gehören acht nachdenklich-bestürzt guckende Königinnen und acht grimmig bis entsetzt glotzende Könige, die sich ihre Schwertscheiden wie Nudelhölzer über die Beine gelegt haben; sie wollen eindeutig nicht matt gesetzt werden. Ihren prominentesten Auftritt hatten sie wahrscheinlich in der ersten Kinder- und Jugendbuchverfilmung rund um den Zauberhelden Harry Potter.

In seinem Helden-Song „Heroes“ möchte David Bowie, der in zwei Tagen seinen 72. Geburtstag feiern würde und vor einigen Jahren nicht einen Kings-, sondern Kinks-Hit coverte, König (im Orient: Malik) sein: „I, I will be king“. Aus dem Orient oder Morgenland kommen, neben dem Schach, auch die Heiligen Drei Könige – ursprünglich keine Herrscher, sondern weise Männer, welche den Aufgang eines Sterns beobachtet haben und nach Bethlehem wandern, um dem neugeborenen „König der Juden“ zu huldigen. Hieran erinnert jährlich am 6. Januar das Dreikönigsfest, das in der evangelischen Kirche Epiphanias („Erscheinung des Herrn“) genannt wird.

Heute verkünden Sternsinger im Namen der Könige Caspar, Melchior und Balthasar die Frohbotschaft des Evangeliums, sammeln Spenden für benachteiligte Kinder und schreiben zu Epiphanias Segensbitten („20*C+M+B+19“) an Haustüren, während die Gebeine jener „ersten christlichen Könige“ im Kölner Dom als Reliquien verehrt werden. Am 6. Januar 1389 wird pünktlich zum Hochfest dieser Stadtpatrone die neu gegründete Universität zu Köln feierlich mit einem Gottesdienst im Dom eröffnet.

Jeanne d’Arc, die große Heroin Frankreichs, erblickt am 6. Januar 1412 das Licht der Welt. Der englische König Heinrich VIII. heiratet am Dreikönigstag des Jahres 1540 seine vierte Frau, Anna von Kleve (und lässt diese Ehe, wie drei Gattinnen zuvor bei der Scheidung von Katharina von Aragón, annullieren). Auf den Tag 103 Jahre nach der unglücklichen, aber immerhin nicht kopflos aufgelösten Vermählung gibt der niederländische Seefahrer Abel Tasman den von ihm entdeckten Drei-Königs-Inseln ihren Namen.

Goethes gute Freundin Charlotte von Stein stirbt am 6. Januar 1827 im Musensitz Weimar. Indem er die Verfassung außer Kraft setzt und das Parlament auflöst, proklamiert Alexander I., der König des Königreiches der Serben, Kroaten und Slowenen, genau 102 Jahre später die Königsdiktatur und ändert die offizielle Staatsbezeichnung in: Königreich Jugoslawien.

In Bischofshofen bei Salzburg findet alljährlich am 6. Jänner das Dreikönigsspringen statt, der letzte Bewerb der Internationalen Vierschanzentournee im Skispringen. Vielleicht verbringt der britische Komiker Rowan Atkinson (Jahrgang 1955) seinen damit zusammenfallenden Freudentag ja daumendrückend vor dem Fernseher. Oder gleich direkt in Bischofshofen in der Alpenrepublik, die als Österreich-Ungarn einst das Gebiet des späteren Königreiches Jugoslawien mit einschloss.

Doch wie dem auch alles sei – das Ende der zwölf Rauhnächte zwischen Weihnachts- und Dreikönigsfest markiert bekanntlich den Beginn einer neuen religiösen Zeit: die des Karneval. Und damit sollten wir diesen „carnival of kings“ nun langsam wieder verlassen, allerdings nicht ohne das passende Grußwort auf den Lippen:

Gute Nacht, ihr Prinzen von Maine, ihr Könige von Neuengland!

– John Irving: Gottes Werk und Teufels Beitrag

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