the doors (of perception)

Und dann wird die Tür mit rasender Wut zugeworfen. Sie kracht so laut ins Schloss, dass die Weingläser in der Vitrine klirrend aufschluchzen. Die Finger brennen von dem Schlag aufs Holz, das Holz glotzt ungerührt zurück.

Die Tür ist zu, aber sie wurde nicht abgesperrt. Jederzeit ließe sie sich wieder öffnen. Von draußen sieht man ihr das allerdings nicht unbedingt an. Man müsste prüfen, zaghaft, ob die Klinke einem vorsichtigen Händedruck nachgibt.

Die Tür ließe sich öffnen, möglicherweise hängt sie nun ein bisschen schief in den Angeln und quietscht, doch öffnen ließe sie sich ganz bestimmt; vorausgesetzt, man starrt sie nicht zeitlebens an wie eine Kafkafigur, ohne den Mut, an ihr zu rütteln.

Jede Tür ist eine Schwelle. Jede Schwelle hat einen Hüter. Der Schwellenhüter wirkt furchteinflößend. Bis man genauer hinschaut. Ein zahmer Cerberus, ein trauriger Mantikor, der sich von all jenen Helden streicheln und die Zähne ziehen lässt, die ihre viel zu schwere Rüstung aus Stolz und Eitelkeit, Groll und Verbitterung ablegen.

Es sind die Pforten unserer eigenen Wahrnehmung, welche das Bild der Tür in ihrem Rahmen verzerren. Schuld sind die Tränen, die uns blenden, der Staub, der aufgewirbelt wurde, die roten Tücher, die provozierend vor unseren Augen herumgewedelt werden.

Die Tür ist nicht abgesperrt. Dies zu erkennen, sie zu öffnen und hindurchzutreten, dazu bräuchte es nicht viel. Nur einen kleinen Blick durchs Schlüsselloch – mit dem Herzen.

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